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Käse-News: Käse im Banktresor
letzte Aktualisierung am 05.07.11 um 09:18 Uhr
05.07.11 um 09:18 Uhr
Inflation, bröckelnde Immobilienpreise und vertrackte Finanzvehikel, die zu Schrottpapieren wurden: All das treibt den Kapitalismus derzeit an den Rand des Abgrunds. Nur eine italienische Regionalbank lässt das kalt. Denn sie nimmt eine ungewöhnliche und höchst wertbeständige Kreditgarantie.
17 000 Tonnen Parmesankäse lagern in zwei klimatisierten Tresorräumen der Bank. Gut 440 000 Laibe der 400 Käser in der Region ruhen hier. Jeder von ihnen beinhaltet 550 Liter Milch, wiegt 36 Kilo und hat einen Wert von um die 300 Euro. Ein Preissturz ist unwahrscheinlich: Emilia-Romagna ist die einzig autorisierte Region der Welt, in der Reggiano-Parmesan hergestellt werden darf. Und der Käse ist begehrt: Jährlich werden Laibe für rund 1,5 Milliarden Euro verkauft. Gut ein Viertel davon geht in den Export.
Der Credito Emiliano bietet den Käsern Überbrückungskredite für die zweijährige Reifezeit des gelben Goldes. Das allerdings nicht erst seit der Finanzkrise. Die Käse-Garantie gibt es in dem 1910 als Agrarbank gegründeten Geldinstitut bereits seit 1953. Und selbst das war keine Innovation. Schon im Mittelalter wurde Parmesan für Finanztransaktionen eingesetzt. Und wie ihre Vorgänger wandelt der Credito Emiliano auch heute noch die Käselaibe in bare Münze um, wenn ihre Kunden den Kredit nicht zurück zahlen können.
Zwar macht das Käsegeschäft bloss ein Prozent der Bankerträge aus. Dennoch ist es bedeutend für die Region. Die Kredite ermöglichen den von der letzten Rezession geschüttelten Milchverarbeitern, überlebensnotwendige Gerätschaften wie Traktoren oder Kupferwannen für die Verkäsung der Rohmilch zu beschaffen. In der Finanzkrise wuchs das Sicherheitsdepot denn auch um zehn Prozent. 34 Käser mussten in der Finanzkrise trotzdem aufgeben.
18 der 5868 Mitarbeitenden der Bank kümmern sich heute um die Käselagerung. Dabei geht es darum, die schweren Brocken mehrmals wöchentlich zu drehen, zur Feststellung von Reifegrad und Qualität zu beklopfen und kleine Makel zu beheben.
Aber selbst in dieser ländlichen Idylle macht das Böse nicht halt. Während andernorts Panzerknacker Goldbarren abtransportieren, bauten sich vor drei Jahren Käseräuber einen Tunnel in eine der Bank-Katakomben. Sie rollten 570 Laibe weg. Allerdings wurden sie später gefasst - samt ihrer gewichtigen Beute.
Quelle: Elisabeth Rizzi (www.20min.ch)
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